weil wir dich lieben – eine liebeserklärung an die u8

Weil wir dich lieben – nicht nur dich, sondern Berlin. Und mit Berlin meine ich: U8.

Weggucken. Und „komm mit bloß nicht zu nah.“
Ein Baby schreit. Eine kichernde Mädelsgruppe.
„Darf ich mal dein Handy benutzen?“ Klar. Ob sie es nicht halten will? Aber nein „bin infiziert. Gehe jetzt Tempel, Polizei konnte mir nicht weiter helfen.“ An wen sind wir hier bloß wieder geraten? Aber keine Zeit um zu verdauen – die nächsten kommen. Und gehen. Es geht weiter – die Ubahnlinie, die nicht zur Ruhe kommt. Berlin, die Stadt, die niemals schläft – nur halt nicht wie in New York, weil Berlin Berlin ist.
Arm, aber sexy. Und mit Berlin: U8 – die Ubahnlinie, die niemals schläft. Außer 4 Stunden unter der Woche, ansonsten ist immer Verlass. Verlass auf Musiker, auf Krawalle, auf alles außer Gewöhnliches. Und Pünktlichkeit.
Eine Gruppe Jugendlicher mit lauter Musik. Bloß nicht Lachen, bloß nicht hingucken. Am Ende haben sie dich auf dem Kieker.
Ein Obdachloser fragt nach Geld. Bedrückende Blicke zur Seite. Und wieder „bloß nicht hingucken“. Kein Geld geben. Er gibts doch eh nur für Drogen aus, ist doch U8. Bloß keine Zivilcourage zeigen. Ist doch U8. Irgendjemand wird schon helfen, hauptsache ich werde nicht mit reingezogen. Irgendjemand wird schon helfen.
Ist doch U8.
Kulturen, die auf einander treffen und sich vereinen. Und irgendwo auch lieb gewinnen. Ein Lächeln dort, ein Kompliment hier. Einfach mal Leute anquatschen, weil sie nett aussehen. Und dadurch Bekanntschaften machen. Ist doch U8 – wenn nicht hier, wo dann.
Ein Pärchen schaut sich verliebt in die Augen. Andere starren nur aufs Handy.

1:10 Uhr – Osloer Straße
N8, weil die U-Bahn fährt ja nicht mehr. Eine Frau am Telefon, ein Typ mit Fahrrad kommt vorbei: “Ich fahr dich nachhause”
“Mit dem Fahrrad ist’s ein bisschen schlecht, oder?”
“Ich fahr dich überall hin. Nächstes mal hast du keine Wahl.”
Soll sie sich jetzt belästigt oder geschmeichelt fühlen?
Der Bus kommt. Ist doch irgendwie auch U8.

“Schön juten Tach, einmal die Fahrausweise bidde” – Panik. Panik ob mit oder ohne Fahrkarte. Und flüchten. Wieder “bloß weg hier”. Bloß keine 60€ zahlen. Also: Aus dem Wagen raus – in den nächsten Wagon einsteigen. Bloß nicht erwischt werden. Ist doch U8.

3:04 Uhr – Kottbusser Tor
Nichts besonderes: ein weiterer Obdachsloser fragt nach Geld. Aber – er rappt.
Und macht seine Sache gut. Ich habe Respekt davor. Und auf einmal eine Gegenstimme. Ebenfalls rappend. Ein Kampf liefert sich – aber kein körperlicher. Die Luft ist erstaunlich dünn, keiner sagt mehr etwas. Alle hören, was sich die beiden an den Kopf zu werfen haben – alles rappend. Dit is oben och Berlin. Meinung sagen, normal wär aber auch zu langweilig. Kontern können. Sonst gehst du unter. Nicht nachgeben. Aber dann eben doch vorsichtig sein. “Schnauze” kommt es aus der Ecke. Ist doch U8.

Du begleitest mich, Tag für Tag. Und auch nachts. Ich lebe hier. Wie viel Zeit verbringe ich täglich in der U8?
U8 – eine Hassliebe.
Zwischen Angst und Lachanfällen.
Zwischen besonderen Geschichten.
Irgendwo dazwischen, vielleicht Weinmeisterstraße.

„Guten Morgen Berlin, du kannst so schön hässlich sein.
[…]
Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich dich zum Atmen brauch.“

Eine Liebeserklärung an Berlin.
An die U8, an alle Verrückten, Verliebten, an alle Kinder und alle Reisenden.
An die Jugendlichen Chaoten, an die Senioren, an Studenten und an Promis. An Mütter, an Kinder, an Feiernde.
An jeden Menschen hier.
An die Ubahnlinie, die mich verbindet.
Mit Berlin.
Mit Freunden, mit Familie, mit Heimat.

Eine Liebeserklärung an die U8. Doch irgendwo dazwischen – eine Hassliebe.

Weil wir dich lieben – nicht nur dich, sondern Berlin. Und mit Berlin meine ich: U8.

 

Merke Dir diesen Artikel auf Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.